PANTOFFELHELDIN #01:
FRIEDERIKE THUM

Als Nachbarinnen kennen wir uns seit der ersten Stunde. Friederike wohnte am Marktplatz gegenüber, Haus Nr.30. Wir teilten viel miteinander, Zeit, Freunde, Geheimnisse. Erklärt sich von selbst, dass sie die Pantoffeln auch kennt, seit sie denken kann. Früher noch die von den drei Geschwistern nachgetragen, erstand sie ihr erstes eigenes Paar 1992, für ein wohliges Wärmegefühl im Internat in Graz. Dieses Exemplar schaut heute noch aus ihrem Gästepantoffelkorb heraus. Mehrmals nachgenäht, etwas zerfleddert, aber immer noch in Verwendung. Insgesamt elf Paare lugen aus diesem Korb.

Heute wohnt Friederike in einem kleinen Häuschen am Rande von Wien, wo im Keller ihre Töpferwerkstatt Platz gefunden hat. Auch dorthin geht und arbeitet sie in den Pantoffeln, denn der Boden ist ziemlich kalt. So wie überall im Haus. Wunderbare Kugeln, Häferl und sonst noch allerlei Kostbarkeiten werden dort getöpfert, verziert und gebrannt. Der Brennofen dient auch als Trockenraum für die Pantoffeln, die sie immer wieder wäscht.

Die neuen behält sie selbst, die alten wandern in den Korb. Oder ihre Mitbewohnerinnen nehmen sie nach dem Auszug mit. Ihre eigenen hat sie überall dabei, ob auf Skikurs, in der Therme oder zum Abendessen bei Freunden, wenn sie weiß, dass es dort keine gibt.
Viele ihrer Bekannten hat sie schon mit Pantoffeln beschenkt.

Sie selbst trägt sie am liebsten barfuß, im Sommer auch gern im Garten, denn sie liebt die Wolle und ihre thermischen Eigenschaften.
Darum bevorzugt sie auch selbst gestrickte Pullover. So sitzt sie als Ausgleich zum Töpfern und zur Schule, wo sie Bildnerische Erziehung unterrichtet, oft bei ihrem Ofen und strickt – natürlich in Filzpantoffeln.

 

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